Die Universität Stuttgart hat europäische Forschungsmittel für zwei Baurobotikprojekte erhalten: SCALAR und COBRAS. Beide sollen am 1. November 2026 beginnen und bis Oktober 2029 laufen. Ihre Pläne beschreiben unterschiedliche Wege, Gebäude vor Ort maschinell zu montieren. Keines der Projekte hat einen Einsatz auf einer Baustelle oder einen gemessenen Produktivitätsgewinn gemeldet.

Die große Veränderung

  • Was sich geändert hat: Zwei geförderte Forschungsprogramme verbinden nun Roboterkoordination und die Gestaltung von Bauteilen in einem Plan. SCALAR schlägt Kräne und kleinere Roboter für Holzmodule vor; COBRAS Teams mobiler Roboter, die wiederverwendbare Raumfachwerke montieren. Das sind Forschungsziele, keine bereits laufenden Baustellendienste.
  • Warum das wichtig ist: Für Bauunternehmen ist der Unterschied praktisch: Automatisierung hängt nicht nur von den Robotern ab, sondern auch davon, ob Bauteile und Verbindungen für die maschinelle Montage ausgelegt sind. Ein kranbasiertes Holzsystem und ein mobiler Roboterschwarm hätten unterschiedliche Probleme bei Handhabung und Koordination.
  • Worauf zu achten ist: Beide Förderungen verlangen Demonstrationen auf Technologiereifegrad 4. Entscheidend ist, ob die Teams die vorgesehenen Strukturen unter repräsentativen Bedingungen wiederholt montieren können, mit sicherer Koordination und zuverlässiger Sensorik. Für Aussagen zu Baustellenproduktivität und Marktreife sind weitere Belege nötig.

SCALAR: Kräne, mobile Roboter und Holzmodule

SCALAR schlägt ein Holzbausystem vor, das gemeinsam mit seinem robotischen Montageprozess entworfen wird. Umgerüstete Kräne würden Wand-, Boden- und Fassadenelemente bewegen und ungefähr an ihre Position setzen. Mobile Roboter und Endeffektoren würden die Teile anschließend ausrichten und positionieren; die mobilen Roboter würden sie verschrauben. Ein gemeinsames digitales Steuerungssystem soll die Geräte unter menschlicher Aufsicht koordinieren. Die Forschenden wollen die Montagesequenz außerdem vor dem Bau simulieren.

Das Projekt umfasst sowohl neue Holzbauabschnitte als auch Fassadensanierungen. Der EU-Förderdatensatz verlangt eine Demonstration in Originalgröße auf Technologiereifegrad 4 unter repräsentativen Baubedingungen, darunter ein mehrgeschossiger Abschnitt und ein Sanierungsszenario. Das ist eine geplante Forschungsdemonstration, kein abgeschlossener Pilot beim Kunden.

COBRAS: mobile Roboter und wiederverwendbare Raumfachwerke

COBRAS verfolgt einen anderen Ansatz. Die Forschenden wollen identische elektrisch betriebene mobile Roboter entwickeln, die sich ohne zentrale Steuerung koordinieren und leichte Raumfachwerke auf- und abbauen. Struktur und Robotersystem sollen gemeinsam gestaltet werden, damit vorgefertigte Elemente zerlegt und wiederverwendet werden können. Laut Stuttgart lässt sich die Anzahl der Roboter an die Aufgabe anpassen; außerdem könnte die Arbeit weitergehen, während ein Roboter gewartet wird. Das sind vorgesehene Eigenschaften des vorgeschlagenen Systems.

Der Förderdatensatz von COBRAS setzt eine Demonstration auf Technologiereifegrad 4 als Ziel: Ein Roboterteam montiert ein Raumfachwerk aus vorgefertigten Elementen. Anders als bei SCALAR steht bei der vorgeschlagenen Montage keine Umrüstung von Kränen im Mittelpunkt. Die genannten Vorteile wurden in einem realen Bauprojekt noch nicht gezeigt.

Die Förderung schafft den Rahmen für die Forschung

Beide Projekte werden vom Institute for Computational Design and Construction der Universität Stuttgart im Rahmen der Pathfinder Challenge des Europäischen Innovationsrats koordiniert. Die Universität beziffert jede Förderung auf etwa 4 Millionen Euro; die EU-Datensätze nennen Beiträge von 3.997.296,25 Euro für SCALAR und 3.999.913,67 Euro für COBRAS. Beide Förderzeiträume laufen vom 1. November 2026 bis zum 31. Oktober 2029.

Die Förderbeschreibungen legen dar, was die Teams bauen und demonstrieren wollen. Ergebnisse zu Baugeschwindigkeit, eingesparter Arbeitszeit, Zuverlässigkeit bei Staub und wechselndem Licht oder zum Einsatz auf einer aktiven Baustelle enthalten sie nicht. Solche Messwerte sind nötig, um zu beurteilen, ob einer der Forschungsansätze über eine kontrollierte Demonstration hinauskommt.

Quellen und weiterführende Informationen